Freitag, 29. Dezember 2017

Wann wird was wohin gesät?

Nicht nur bei Streifzügen durch die sozialen Netzwerke begegnet mir in unzähligen Variationen eine Frage, auf die ich im folgenden Artikel unter dem Aspekt der Selbstversorgung ein wenig eingehen möchte: Wann säe ich am Besten... Paprika, Tomaten, Chilis, Bohnen, Kohl, Gurken... u.s.w.

Zeitpunkt der Aufnahme: Anfang Mai, ein Teil ist bereits ausgepflanzt worden
Die einfachste Antwort ist nach meinen bisherigen Erfahrungen folgende:

Der beste Aussaat- Zeitpunkt steht schlicht und ergreifend auf dem Saatgut- Tütchen!


Anfang Mai, die Tomaten wurden extra tief gepflanzt.
Ich habe mittlerweile alles mögliche ausprobiert und kann die Erfahrung weitergeben, dass die Aussaat- Termine auf den Tütchen sogar noch eine Toleranz nach hinten zulassen, je nach Witterung und Pflanze.


Vorgezogene Zucchini, ab Mitte Mai ins Freiland
Insbesondere in Sachen Tomaten, Paprika und Chili kann ich die vielgepriesene Januar- Saat nur bedingt teilen, bedingt, da es hier vielleicht noch auf spezielle Sorten ankommt. Sowohl die Chili "Lila Luzi", die sehr milde Peproni "Lombardo", mehrere so genannte frühe Paprikasorten als auch diverse Tomatensorten von der Johannisbeertomate bis zur Ochsenherztomate kommen bei mir wunderbar wenn ich im März aussäe. Sogar die April- Saat ist noch gut gekommen- hier lag die späte Aussaat jedoch an den Tücken meines Gewächshausbaus.


Im April ausgesäte Paprika hier Anfang Juni, ganz unten Vergleich Juli, Ernte Ende August- Oktober
Es gab Jahre, da mussten meine Zimmerpflanzen temporär umziehen, weil ich alles mögliche ab Januar bis in den April hinein vorgezogen habe- dementsprechend voll waren meine Fensterbänke. Parallel habe ich (bevor mein Gewächshaus Einzug hielt) einen Freilandvergleich vorgenommen. Sogar die im Mai ausgesäten Tomaten haben die vorgezogenen im Wachstum noch eingeholt.

Auch hier Vergleich Anfang Juni und weiter unten im Juli.
Befürworter meinen, dass sie mit einer verfrühten Saat die Erntezeit verlängern können bzw. eine frühere Ernte einfahren können. Die frühere Ernte kommt unter guten Bedingungen und je nach Pflanze schon hin- ob sie dadurch auch reichhaltiger ausfällt, wage ich zu bezweifeln: Gurken, die ich sehr früh herangezogen habe sind im Vergleich mit den späteren Pflanzen auch eher verwelkt bzw. haben eher mit der Fruchtproduktion ausgesetzt. Bei Paprika hatte ich unabhängig von der Anzucht eigentlich immer 4 bis maximal 8 gute Früchte pro Pflanze, hier und da den ein- oder anderen Nachzügler, der aber auch wesentlich kleiner ausgefallen ist. Chilis nehmen eventuell eine Sonderrolle ein, wobei für einen "mittelscharf essenden Haushalt" 2-3 Pflanzen einer wuchsfreudigen Sorte einen Jahresvorrat einbringen wenn erst im März gesät wird. Natürlich jeder so, wie er mag... manches halte ich allerdings für überflüssig, wobei mit mehreren, bewusst zeitversetzt angebauten Pflanzen die Erntezeit durchaus verlängert werden kann.

links im Bild Freilandsaat Erbsen, rechts Sonnenblumen
Auch von großer Bedeutung sind der Ort und die Temperaturen für das Vorziehen: Fensterbank, Kunstlicht, Gewächshaus, Freiland, beheizt, ungeheizt- völlig unterschiedliche Bedingungen und somit auch Zeitfenster für die Aussaat. Aber auch hier hilft die Beschreibung auf den Tütchen wunderbar weiter, meist sind Freiland und unter Glas separat aufgeführt. Wo eine Voranzucht als Angabe fehlt, da ist sie meist auch nicht nötig. (M)eine Ausnahmen: Bohnen, Brokkoli und sogar Spinat ziehe ich vor, da sonst die Schnecken schneller sind und über die jungen Sprösslinge herfallen.

Tomaten nach den Eisheiligen ausgepflanzt
Bei allen frostempfindlichen Pflanzen gilt: Jungpflanzen erst nach den letzten Frösten ab Mitte Mai raus setzen und sich keinesfalls vom sommerlichen Märzwetter täuschen lassen.

Anfang Juni und...
Durchaus berechtigt ist die Frage jedoch, wenn man sein Saatgut durch Tausch oder von Privat bekommen hat- da hilft dann auch kein Samentütchen weiter, allerdings empfehle ich hier nach persönlichen Empfehlungen zu fragen oder einfach auf ein Tütchen im nächstgelegenden Gartencenter zu schauen.

... hier im Juli
Hier noch ein paar allgemeine Tipps zur Aussaat: 
  • Eine Pflanzenbeleuchtung ist immer mit zusätzlichen Kosten verbunden- hier lohnt ein Kosten- Nutzen- Vergleich (wer Chilis zu seinem persönlichen Hobby erklärt hat, dem ist es das wert- wer in Sachen ökologischer Selbstversorgung unterwegs ist, der geht auch nachhaltig mit der Ressource Strom um). 
  • Wenn eine Selbstversorgung angestrebt ist lohnt sich meist auch ein Kaltgewächshaus. Dieses ermöglicht die komplette Voranzucht auch für frostempfindliche Pflanzen bereits ab März (mit ein paar Tricks, siehe auch hier: "Nachtfröste im Frühjahr: Pflanzen im Kaltgewächshaus zum Nulltarif schützen"). 
  • Den Beschreibungen auf den Tütchen kann man in der Regel folgende Informationen und Zeiträume entnehmen: Aussaat (Freiland und Voranzucht), Pflanzung ins Freiland, Ernte, Lebensdauer (Einjährig= ein Lebenszyklus, 2jährig= eine Vegetationsperiode vor und eine nach Frost/ Winter- im 2. Jahr Samenbildung, mehrjährig= kommt jedes Jahr wieder bzw. bleibt als Pflanze über mehrere Jahre am Ort). 
  • Die Samen kennen unseren Kalender nicht auf den Tag genau, eine Verschiebung um ein paar Tage werden sie nicht krumm nehmen, also keine Angst wenn die Empfehlung "bis Ende April" erst Anfang Mai wahrgenommen wird. 
  • Salate können über einen langen Zeitraum gesät werden und die Jungpflanzen können auch ein paar Wochen dicht an dicht stehen. Dies ermöglicht ein bis drei Aussaaten und man kann immer Jungpflanzen entnehmen, um so über das gesamte Gartenjahr ausreichend Salat zu ernten. 
  • Bei Schneckenproblemen müssen die Jungpflanzen geschützt werden. 
  • Es ist für eine Selbstversorgung überaus hilfreich, wenn man sich mit heimischen Kulturen beschäftigt: Welche Pflanzen lassen sich bereits im Frühjahr ernten, welche erst spät im Herbst/ Winter. Stichworte Spinat, Grünkohl, Feldsalat etc. 
  • Vieles ausprobieren, aber in den Folgejahren die eigenen Vorlieben und die Gartenbedingungen entscheiden lassen. Ich habe 4 Jahre gebraucht, um meine perfekte Tomatensorte zu finden, aber nur 1 Jahr für meine Lieblings- Chili. 
  • Keine Angst vor "Kümmerlingen": Anhand der Bilder ist sehr gut zu erkennen, dass die Pflanzen in nur 6 Wochen unfassbar wachsen können. Langstielige Tomaten, Paprika und Chilis können sehr tief eingesetzt werden, ggf. untere Blätter entfernen. Dadurch müssen sie weniger gegossen werden und entwickeln kräftige Stiele.

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