Samstag, 28. September 2019

Natur- und Umweltschutz in unseren Gärten- Bildungsurlaub im Westerwald

Ich war dann mal weg... 5 Tage zum Thema Umweltschutz in Altenkirchen und drumherum. 


Blick auf die Landschaft im Westerwald
Sehr spannende Tage durfte ich im letzten Frühjahr in Rheinland- Pfalz erleben. Auf der Suche nach einem interessanten Bildungsurlaub stieß ich auf ein Angebot der evangelischen Landesjugendakademie in Altenkirchen, das Thema lautete "Natur- und Umweltschutz in unseren Gärten", gekoppelt mit der Besichtigung des Renaturierungsprojektes im Stöffelpark, einer Kräuterwanderung durch die Bacher Lay, dem Besuch des Klostergartens Marienstatt sowie dem Hachenburger "Hopfengarten" und noch ein paar anderen Stationen.

Hier darf auch wachsen, was von selbst gekommen ist
Bildungsurlaube haben ja immer ein recht straffes Programm, so auch hier mit teilweise 4 verschiedenen Stationen pro Tag.
Dieser Artikel wird sich hauptsächlich mit einer groben Zusammenfassung der Erfahrungen beschäftigen, die ich als Besucher in den Privatgärten von deren Besitzern mitnehmen konnte. Desweiteren werde ich einzelne Stationen in Folgeartikeln näher beleuchten und meine Eindrücke einfließen lassen.

Eichenwidderbock (?)
Der Westerwald bietet dem Gartenbesitzer im allgemeinen ein im Vergleich zum westlichen NRW eher rauhes Klima mit- im Frühjahr- späten und entsprechend- im Herbst- frühen Nachtfrösten, starken Winden und einer vorwiegend tonhaltigen Bodenbeschaffenheit, meist noch gepaart mit Basalt aus einer Zeit in der die Vulkane noch aktiv waren. Nichts, worüber sich ein Gärtner zunächst einmal freut.

Akelei im Vordergrund, dahinter Frauenmantel
Doch diejenigen, die sich trauen und die ich kennen lernen durfte, trotzen den Widrigkeiten und gärtnern im Einklang mit der Natur. Dies führt dazu, dass Frauenmantel und Akelei in wirklich jedem Garten anzutreffen sind, in der Regel in hübschen Verbänden und für uns nach nur 2 Tagen bereits ein "Running Gag".
Doch unsere heimischen Gewächse sind nun einmal am Besten angepasst und so war ich sehr dankbar, dass diese Gärten neben den beiden immer wiederkehrenden Pflanzen eine hohe Artenvielfalt aufwiesen, die andererorts auch gerne einmal als Unkraut bezeichnet wird.

Frauenmantel
Bei einem Landschaftsgärtner, der sich auf echte naturnahe Gartenanlagen spezialisiert hat (und der netterweise Kiesgärten als Auftrag gar nicht erst annimmt) wurde klar, was Umweltschutz so alles beinhalten kann. So verfügt die Firma über ein recht großes Gelände, auf dem diverse Materialen die Chance auf Recycling haben. Alles, was bei Neuanlagen weichen muss und in irgendeiner Art in anderen Gärten wiederverwendet werden kann, wird dort zwischengelagert- von Holz über Stein, Kies, Sand und bisweilen auch Pflanzen.

Beinwell
Bei der Pflanzenwahl werden Gehölze empfohlen, die mit den klimatischen Bedingungen klar kommen und im Gesamtbild über das Jahr hinweg immer wieder einen "Hingucker" bieten. Gleichzeitig sollte es auch Wiesenflächen geben, die nur ein bis maximal zweimal pro Jahr gemäht werden, damit die Insektenvielfalt bewahrt werden kann. 2 Dinge haben mir dort am Besten gefallen: Ein Tonkasten für die Kinder (eben kein Sandkasten) und Hochbeete, die aus alten Grabeinfassungen entstanden sind.

Unbestimmt
Die Sache mit den Wiesen zog sich ebenfalls durch alle Gärten, die wir besichtigt haben: Lasst wachsen, was wachsen darf und mäht nicht immer alle Flächen radikal hinunter. Die erste Mahd sollte eigentlich erst Ende Juni erfolgen, ja, ich gebe zu, dass ich es in diesem Jahr partiell nur bis Ende Mai "ausgehalten" habe (da war das Wiesenschaumkraut verblüht). Nur ein Beispiel für das "Warum?": Der Aurorafalter benötigt als Futterpflanze auch für die Raupen das Wiesenschaumkraut und die Knoblauchrauke. Ersteres blüht bis etwa Mitte/ Ende Mai. Damit die Raupen nun genug Nahrung finden sollten natürlich diese Pflanzen so lange wie möglich stehen bleiben. Die Verpuppung findet dann meist in Bodennähe statt, so dass beim ersten mähen keine großen Schäden entstehen.

Wiese
Für eine vielfältige Wiese sind allerdings auch entsprechende Vorüberlegungen notwendig: Welche Wiese habe ich bzw. möchte ich haben? Dies ist vom Boden und den klimatischen Bedingungen abhängig. Es gibt feuchte Fettwiesen, trockene Magerwiesen und einiges dazwischen. Am einfachsten ist es, wenn man die gegebenen Bedingungen nutzt und dementsprechende, vorzugsweise regionale, Saatmischungen aufbringt. Es ist aber auch durchaus möglich, einfach ein paar Flächen konsequent nur 1-2x/ Jahr zu mähen und dann beobachten, was passiert. Es ist faszinierend, welche Vielfalt sich dort schon nach kurzer Zeit beobachten lässt. Ich habe mittlerweile sogar ein paar Duftveilchen, über die ich mich sehr gefreut habe und die sich jetzt weiter verbreiten können.
Zu den Wiesenmischungen gibt es die Empfehlung, eine Mischung mit Ein-, Zwei- und Mehrjährigen, aufeinander abgestimmten Pflanzen zu wählen, so entsteht nach 5-7 Jahren ein Beet, welches 1x/ Jahr gemäht und von den mehrjährigen dominiert wird.

Unbestimmt
Im Staudengarten einer sehr ambitionierten Hobbygärtnerin durfte ich 2 Wildrosen mitnehmen, die sie selbst vermehrt und "in die weite Welt" schickt. Für die erste habe ich bereits einen Platz in meinem Wall gefunden, um der 2. auch ausreichend Platz zur Verfügung zu stellen müssen erst noch Altbestände an nutzlosem Kirschlorbeer weichen. Sehr hilfreich für meinen Garten fand ich dort ihre Angaben zu Wuchshöhe, Vermehrungsbereitschaft der Pflanze und Platzbedarf im Garten. Wie oft beobachte ich Gärtner, die sich selbst geißeln, in dem sie Heckenpflanzen setzen, die als solche gar nicht geeignet sind und permanent an ihrem natürlichen Wuchs gehindert werden müssen. Überhaupt sind die meisten Hecken in unseren Gärten nicht mehr breit genug, um Vögeln und ausreichend Insekten eine Unterkunft zu bieten. Je mehr Raum eine Hecke einnehmen darf, desto weniger muss sie künstlich im Zaum gehalten werden und desto mehr Lebensraum bietet sie. Mehrere unterschiedliche Pflanzen sind dann auch kein Problem, die Neuanlage sollte dann in den ersten Jahren mit kurzlebigen, leicht zu entfernenden Stauden aufgefüllt werden.

Ein Pilz
In allen Gärten wurden mindestens einzelne Aspekte der Permakultur angewandt. Dies war dort allerdings auch ein bisschen einfacher, als es z.B. in Kleingärten oder in klassischen Hausgärten möglich ist, einfach weil ein Westerwälder Hausgarten bei ungefähr 600- 800 Quadratmetern anfängt und unsere Gärten damit oft schon übertroffen werden- dementsprechend viel fällt dann an Material an. Dennoch, Permakultur macht Sinn, ist nützlich, nachhaltig und spart Zeit und Geld. Es bedeutet, vereinfacht ausgedrückt, dass alles, was im Garten als "Abfallprodukt" anfällt, diesem wieder zugeführt wird, dass Mischkulturen gepflegt werden (und keine Monokulturen) und dass das ökologische Gleichgewicht beim gärtnern unterstützt (und umgekehrt).

Der Westerwald- ein Teil davon

Also Baum- und Strauchschnitt wird gehäckselt und auf den Beeten verteilt (Stichwort Flächenkompostierung), ebenso anfallender Rasenschnitt. Es wird kompostiert, was möglich ist (eigentlich sollten nur kranke Wurzeln nicht kompostiert werden, oberirdisches darf drauf, egal ob Braunfäule oder Mehltau o.ä.). Größere Stämme können zu Totholzecken gestapelt werden, überhaupt sollte der Garten nicht zu aufgeräumt sein (aber er sollte auch nicht komplett verwildern). Nützlinge werden angelockt und minimieren den Schädlingsbefall.

Schwebfliege
Ja, bei Blattläusen sollte man z.B. geduldig warten, die Nützlinge werden kommen! Garantiert- man muss nur aushalten, dass die Lauskolonien erst gefressen werden, wenn z.B. die Marienkäferlarven schlüpfen, d.h. der Marienkäfer macht seine Eiablageplätze vom Blattlausbefall abhängig. In diesem Jahr war mein Rainfarn über und über von Läusen übersät- nach dem Schlupf der Larven hat es nur wenige Tage gedauert und alle Läuse waren weg. Auch konnte ich im Spätsommer eine Heckenbraunelle beobachten, die sich den Lausbefall an einer kleinen Teefenchelpflanze hat schmecken lassen.

In den kommenden Wochen werde ich- auch ein wenig zeitabhängig, weitere Artikel veröffentlichen, Inhalte werden unter anderem Apothekergärten, die Bacher Lay, der Garten der Dickendorfer Mühle und der Stöffelpark sein. 

Hier geht es zum 2. Teil: 
Der Garten der Dickendorfer Mühle

Weiterführende Links: 

Landesjugendakademie Altenkirchen für den Bildungsurlaub als solchen
Arche Wyda e.V. ein Verein, der sich unter anderem für regionale Wiesenmischungen einsetzt und dem Insektensterben die Stirn bietet
Dreschflegel ein Saatgutversand mit einem umfassendem Informationsfundus



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