Freitag, 26. Dezember 2014

Erfahrungsbericht: 4 Monate Ernährungsumstellung und eine Getreidemühle...

Seit nunmehr 4 Monaten mahlen wir unser Getreide selbst. 


Die Getreidemühle

Die Gründe waren eine Kombination aus vielen Punkten:
Eine Ernährungsumstellung aus gesundheitlichen Gründen- nichts dramatisches, aber auch nichts, womit man eben gerne lebt: Unwohlsein nach einigen Lebensmitteln, Sodbrennen- jedoch auch bisweilen Müdigkeit und wenig Energie. Dazu ein immer größer werdendes Gefühl, dass mit der heutigen Ernährungsform viele Ursprünge verloren gegangen sind. Fast alle Lebensmittel werden chemisch behandelt, erhitzt, es werden Zusatzstoffe zugeführt und wichtige Bausteine entfernt... Da stellte sich die Frage "Möchte ich so weiter essen?".

In einem 80:20 Maß war die Antwort eindeutig "NEIN".

80:20, weil die Verlockung auf etwas "ungesundes" doch da ist, weil wir uns nicht selbst durch Verbote geißeln wollen und weil ich einfach ab und zu Lust auf Industriezucker habe. Kurz es sollte umsetzbar sein!
Also 80% gesünder essen, aber 20% dürfen auch mal "böse" sein.
Bewusst geht es hier nicht um eine Diät oder um eine Umstellung auf Bio- Produkte. Es ging uns darum, das eigene Eßverhalten zu beleuchten und umsetzbare Möglichkeiten auszuprobieren um zu schauen, was sich verändert.

Und nun zur Umsetzung:

Um Mehl selbst mahlen zu können braucht es eine Getreidemühle. Diese gibt es mit Strom und (z.B. für eine Person) als Handmühle. Eine Kaffeemühle kann auch funktionieren. 
Wir haben uns für eine elektrische Getreidemühle entschieden, die "Fidibus 21", (auf Empfehlung von Anderen, viele erhältliche Mühlen sind jedoch mit Sicherheit ebenfalls sehr gut).
Das ist natürlich mit mind. 200 Euronen erst mal eine teure Anschaffung- aber man gönnt sich ja sonst nichts ;) Die Bedienung einer Getreidemühle ist im Allgemeinen sehr, sehr einfach und die Mühle ist ausgesprochen pflegeleicht. Ich empfehle jedoch, sich bei Bedarf in die Thematik einzulesen.

Dann noch eine Großbestellung diverser Getreidesorten (5- Kornmischung, Weizen, Dinkel, jeweils 2,5 kg) und es kann losgehen. Beim Getreide ist bei dieser Ernährungsphilosophie unbedingt darauf zu achten, dass es sich um keimfähiges Getreide handelt (also so unbehandelt wie möglich). Wir haben bis jetzt die besten Erfahrungen mit dem Getreide von Getreidemuehlen.de gemacht. Aus Kostengründen und den Erfahrungen von anderen Nutzern greife ich jedoch auch zu dem keimfähigen Weizen und Dinkel von enerbio (u. a. Roßmann).

Zum Frühstück Frischkornbrei:

Jeden Morgen gibt es nun seit Beginn des Einzuges der Getreidemühle den sogenannten Frischkornbrei.
Für 2 Personen: 6 El. der 5- Kornmischung werden am Abend grob geschrotet und über Nacht in Wasser eingeweicht und am nächsten Morgen durch Zugabe von 2 El. Sahne, 1-2 El. Honig, 1 Spritzer Zitrone (nach Geschmack), einer Banane und einer Birne fertig zubereitet. Die Früchte werden dafür entweder fein gestückelt oder manchmal auch püriert. Bei der Sahne ist darauf zu achten, dass sie nicht hocherhitzt wurde. Frischkornbrei hört sich am Anfang sehr eigentümlich an... alleine schon der Name. Aber wenn man ihn erst probiert hat, relativiert sich das komische Gefühl. Er ist wie ein süßes, feines Müsli. Ich bin normalerweise ein herzhafter, unregelmäßiger Frühstücker gewesen, und ich vermisse weder das Brötchen noch die Wurst! Zum Antesten gibt es in den bekannten Drogeriemärkten bzw. im Reformhaus/ Bioladen auch schon fertige Mischungen des Getreides, somit kann jeder auch ohne die Getreidemühle schon einmal ausprobieren, einfach mal nach einer fertigen 5- Kornmischung fragen. Auch bei der Zugabe des Obstes darf experimentiert werden, bei uns kommt die Birnen- Bananen- Variante sehr gut an, Äpfel funktionieren auch super. Das Karibik- Experiment mit Kokos und Ananas hingegen war ein großer Flop.
Dank der heutigen Technisierung ist der Aufwand minimal, ich benutze morgens einen praktischen Handzerkleinerer oder den Pürierstab für das Obst und mein Partner setzt abends die Körner an. In den 4 Monaten ist der Frischkornbrei nicht einmal ausgefallen.

Weizen- Dinkelmischung kurz vor dem Mahlen

Brot nicht mehr vom Bäcker:

Mir ist wie erwähnt die Umsetzbarkeit wichtig. Und das sollte für Brot als Grundnahrungsmittel in jedem Fall gelten. Also müssen die Rezepte einfach und das Ergebnis schmackhaft sein. Chefkoch.de ist hier meine erste Adresse. Dort gibt es eine Vielzahl einfacher Rezepte mit und ohne Hefe, mit und ohne Gehzeit etc. Inklusive Back- und (nicht vorhandener) Gehzeit steht so nach 45- 90 min., je nach Rezept, ein frisches, leckeres Brot auf dem Tisch. Da es das Brot nur 2-3x pro Woche zum Abendessen gibt, reicht es aus, 1x pro Woche zu backen.

Kleinigkeiten fernab der Mühle, die wir geändert haben:
  • Zucker wird wo immer möglich durch Honig ersetzt 
  • Möglichst vor allen Mahlzeiten gibt es einen Salat 
  • Handelsüblicher "Billig- Essig" wird durch trüben Apfelessig bzw. durch möglichst wenig behandelten Essig ersetzt
  • die Zutatendeklaration wird intensiver gelesen, auf bedenkliche Inhaltsstoffe wird weitestgehend verzichtet
  • Der Fleischkonsum wird bewußt reduziert
  • Es wird hochwertigeres Öl verwendet 
  • Es wird "ganz normale" Butter verwendet 
  • Milch wird gemieden bzw. reduziert (ich kann mich einfach noch nicht von meinem Milchkaffee trennen...)

Fazit:

Es ist uns über 4 Monate ohne Verzicht und einfach möglich gewesen, unsere Ernährung in einigen wesentlichen Punkten massiv zu ändern. Das alleine ist schon ein großartiges Gefühl. Natürlich haben wir uns am Anfang sehr intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt, aber mittlerweile hat sich das Einkaufsverhalten automatisiert/ ritualisiert. Hier noch die Veränderungen, die ich wahrgenommen habe:
  • Im Einkaufswagen finden sich automatisch noch mehr frische Produkte als zuvor 
  • Wir produzieren weniger Müll
  • Süßkram wird nur noch als "Genußmittel" und wesentlich weniger konsumiert und fehlt dank des eher süßen Frühstücks nicht
  • Der zeitliche Aufwand ist minimal, ich habe manchmal den Eindruck, es geht sogar schneller 
  • Es ist nicht teurer, dafür Vollwertiger
  • Gesundheitlich fühlen wir uns besser
  • Das Hautbild wurde klarer
  • Das Wohlbefinden im Allgemeinen ist tatsächlich besser geworden, das subjektive Empfinden von "Es geht mir richtig gut" ist häufiger da als vorher
  • Durch eine Filterung der Lebensmittel konnte herausgefunden werden, welche Lebensmittel für das Unwohlsein/ Sodbrennen verantwortlich waren
  • Unsere Ernährung ist nicht perfekt, aber es ist ein gewaltiger Schritt in eine ursprünglichere Ernährung, die die Chance gibt, das Risiko für "Zivilisationskrankheiten" zu senken
  • Der Obstkonsum hat deutlich zugenommen
  • Wir bleiben dran!!! :D

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