Donnerstag, 23. April 2015

Kampf gegen die Ackerwinde ohne Gift

Seit nunmehr fast drei Jahren kämpfe ich gegen die Ackerwinde. Bzw. gegen die Zaunwinde, allerdings wird der Begriff Ackerwinde häufig synonym verwendet und hört sich auch fieser an ;)

Wall nach Übernahme im September 2012, sieht nur auf den ersten Blick gut aus- auf den 2. Blick war er leider völlig verunkrautet und von sehr vielen, dornigen und stacheligen Pflanzen besetzt, die eine Säuberung unmöglich zuließen.

Zu meinem Garten gehört auch ein Stück Wall, welches den Kleingärtner von der zivilisierten Welt abhält und umgekehrt. Hierbei handelt es sich um ein Stück Land von der Größe ca. 28x 4 m.
Dafür gibt`s pro Jahr eine Anrechnung auf die so genannte Gemeinschaftsarbeit (Stundenanteile, die jedes Gartenmitglied für den Verein pro Jahr ableisten muss). Leider übersteigt mein persönlicher Einsatz dank der Ackerwinde, der Brennesseln und des Klettenlabkrautes nun zum 2. Mal in Folge die vorgesehenen Einsatzstunden. Also musste eine Lösung her.

Im ersten Jahr versuchte ich, schrittweise mittels Unkraut zupfens, Umgraben und Neubepflanzung mit Sommerblumen den unliebsamen Kräutern Herr (bzw. Frau) zu werden- mit mäßigem Erfolg.

Es machte den Anschein, als ob alles schön wachsen und blühen würde- leider übernahm die Ackerwinde aber immer mehr Raum auch auf den angestammten Pflanzen und begann schon in der Vergangenheit Richtung Wiese hin zu wachsen.

Freilegung eines Streifens im Frühjahr 2013

Sommerblumenstreifen 2013
Oben auf dem Bild ist der Streifen mit den Sommerblumen zu sehen.

Es sahr zwar wunderschön aus, aber leider eben nur auf einem schmalen Streifen von ca. 4m x 0,8 m, dahinter war nach wie vor das Chaos.

Im 2. Jahr schaufelte ich die Flächen wieder frei und buddelte einige Schubkarren voll mit Winden- und Brennesselwurzeln aus, säte erneut diverse bienenfreundliche Blümchen aus und hoffte es geschafft zu haben- wie grenzenlos NAIV... Zumal so etwas nur im zeitigen Frühjahr möglich ist, weil kurz danach schon die Armee der Wildkräuter über die Fläche zieht um das Ganze in einen Urwald zu verwandeln, der ohne Machete und Unmengen Zeckenschutz nicht mehr betreten werden kann...
Aber zurück ins Frühjahr: Bis Mai sah auch alles ganz gut aus- und dann explodierte mein Plan. Klettenlabkraut und Ackerwinde wuchsen und rankten über 3 m hoch, von Sommerblumen kaum noch eine Spur- einzig ein paar Ringelblumen konnten sich behaupten- sah zwar imposant aus, war aber nicht so geplant... Dann auch noch die Info aus dem Gartenvorstand nach der jährlichen Begehung: "Der Wall muss gesäubert werden"... Argh- gesäubert??? Wie???  Ich war so frustriert, dass ich noch nicht einmal mehr Fotos von dem Elend gemacht habe... ich habe im übrigen kein einziges Foto von der Ackerwinde- dafür träume ich in den Sommermonaten von ihr... schätze, ich bin echt traumatisiert ;)

Kurz zu den Zaun- und Ackerwinden: Jedes noch so kleine Wurzelfitzelchen muss weg, da aus den Restwurzeln komplett neue Pflanzen entstehen. Diese winden sich um alles, was sie zu fassen bekommen und umschlingen alle anderen Pflanzen. Und das mit einer Wuchsgeschwindigkeit während der Wachstumsperiode von 10- 30 cm PRO TAG!

Letzte Rettung

Neues Frühjahr, neues Glück. Plan 3 wird in die Tat umgesetzt-  Alles rigoros für 2- 3 Jahre abdecken und ausschließlich punktuell ein paar Pflanzen stehen lassen. 

Also 150g/qm- Unkrautflies nebst 300 Erdankern bestellt, Bruchsteine als natürliche Begrenzung dazu (in der Hoffnung auf ein paar Eidechsen) und los geht es.

Doch zuerst wurden noch einige Wurzeln ausgebuddelt, unter anderem der Ilex.

Ilex, noch in der Erde

Ein sehr dekoratives Stück unbekannte Wurzel, welches auf dem Wall liegend bleiben darf

Dann die Vorbereitung für die Rasenkante:

Rasenkante

Beim Verlegen wird mir klar: Die Winden werden einen Weg zwischen den Überlappungen finden. Aber ich bin bereit, den Kampf weiter zu kämpfen, hauptsache, der Aufwand wird minimiert.


Halbzeit



In der Zwischenzeit dürfen sich die ersten neuen Bewohner dieses Walls entwickeln. Dazu zählen schwarze Johannisbeeren, ein einsamer Himbeerstiel, ein japanischer Fächerahorn und eine stachelfreie Brombeere, die sich schon vor 3-4 Jahren dort ansiedelte und nun freigelegt wurde. Angestammt bleiben durften fast alle großen Büsche und Bäume sowie ein Ziergras und drei Fetthennen, letztere werden auch im Sommer große Flächen der Folie überdecken, wodurch sich das Gesamtbild noch stark verändern wird.

Die stachelfreie Brombeere hat sogar einen Bogen bekommen


Aus dem letzten Jahr haben sich bereits 2 wunderschöne Hibiskusbäumchen eingelebt, dank meinem Gartennachbarn haben sie sogar geflochtene Stämmchen und durch die Unkrautfolie endlich Platz zum größer werden.

Johannisbeeren, nah an der Kante... im Hintergrund eine der dickeren Wurzeln

Langfristig möchte ich dort viele Beerenpflanzen ansiedeln, die sich auch im vorhandenen Halbschatten wohl fühlen sowie eine partitielle Unterpflanzung mit Waldmeister, Kapuzinerkresse und diversen Kräutern- dazwischen immer gerne Sonnenblumen um vielen Insekten und Vögeln auch wieder etwas zu bieten.
  
Der Rhabarber lebt bereits seit einigen Jahren hier und wurde lediglich versetzt
 
Wie es sich entwickelt und welche Pflanzen noch in diesem Jahr dazu kommen, das werde ich nach und nach posten. Da ich die Brennesseln zunächst aus dem Wall verbanne, muss ich mir hier auch noch eine schmetterlingsfreundliche Alternative einfallen lassen- vielleicht einen Brennessel- Kübel...

Ich weiß, dass die Meinungen zu dieser doch sehr radikalen Maßnahme auseinander gehen- jedoch ist das Ziel ein Biotop, welches den Nutzen für den Menschen und die Lebewesen vereint. Und dafür dürfen sich dann diese ca. 112 qm auch mal ein wenig erholen, um danach in neuer Pracht zu erblühen.

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