Donnerstag, 20. Oktober 2016

Thermomix, ein ausführlicher Erfahrungsbericht

Ja, ich gebe unumwunden zu: Seit 6 Monaten besitze ich einen Thermomix. 


Baiser, Kokosmakronen, Eierlikör, Brot und Ketchup, an einem Nachmittag mit dem Thermomix hergestellt
Man mag darüber denken, was man will- ich habe auch sehr lange überlegt und bin zu dem Entschluss gekommen, dass sich eine Anschaffung für mich lohnt.


Durch einen Thermomix in der Familie und einen im Freundeskreis konnte ich mir lange ein Bild machen, den letzten Ausschlag dafür gab allerdings unser Verzicht auf Weißmehl und mein Garten. Brot/ Brötchen, Pizza, Flammkuchen und Nudeln kommen eigentlich nur noch aus eigener Herstellung in Frage. Dies wiederum erfordert eine gewisse Disziplin, die ich gerade bei den schweren Teigformen nicht immer aufbringe. Hier kommt dann der Thermomix ins Spiel.

Teige:

Dieses Gerät ist tatsächlich in der Lage (dank "Korntaste") selbst schwere Teige in haushaltsüblichen Mengen zu kneten. Bis 800g Mehl schafft der Thermomix spielend, 1000g sollen möglich sein, ich lasse ihn dann allerdings 2x a 500g laufen und habe beste Erfahrungen gemacht.

Den auffälligsten Unterschied zum herkömmlichen Kneten konnte ich beim Nudelteig feststellen. Nudelteige sind sehr fest, relativ trocken und daher kraftzehrend in der Vorbereitung. Nach der Ruhezeit wird der Nudelteig dann noch bis zur endgültigen Geschmeidigkeit 8-10x durch die Walzen der Nudelmaschine geführt- dies ist noch einmal recht zeitaufwändig. Mit dem Thermomix dauert das Kneten nur ca. 3 min. und der Teig muss noch ca. 4-6x durch die Walze gehen. Diesen Unterschied finde ich schon gewaltig.

Obst/ Saft/ Smoothies oder Thermomix vs. Entsafter:

Wenn im Garten während der Saison die haushaltsüblichen Mengen Überhand nehmen und eine Schwemme an schnell verderblichem Obst anfällt stellt sich die Frage der Verarbeitung. Alle meine Gartennachbarn verfügen nun über einen Entsafter. Auch da habe ich lange überlegt, aber die Größe und dieses Dampfgedöns schreckte mich irgendwie ab. Kaltentsafter kamen aus Platzgründen und mangels Möglichkeit zum haltbar machen auch nicht in Frage. Mit dem Thermomix gibt es mehrere Möglichkeiten zum entsaften:
Reines Entsaften:
Da ich ein Freund der Effizienz bin fand ich die im WWW zu findenden Möglichkeiten anderer Thermomix- Nutzer eher unbefriedigend (meist ein "Umbau" in eine Art Dampfentsafter). Mein Experiment ist mit roten und schwarzen Johannisbeeren sowie mit Rhabarber geglückt und ich möchte es hiermit weiter geben.
Johannisbeeren Saft/ Sirup/ Nektar:
Max. 1kg Johannisbeeren wird grob gestrippt in den Thermomix gegeben und bei unter 100°C (80- 97°C) auf der Umdrehungsstufe 2,5- 3/ linkslauf erhitzt. Dieser Vorgang dauert etwa 15 min (ich habe mit Augenmaß gearbeitet und war wegen der Gefahr des Überkochens die ganze Zeit in der Nähe). Die Früchte platzen auf und der Saft tritt heraus. Die Zuckerangaben sind gerade bei Johannisbeeren Geschmackssache, es sollte nur nicht überzuckert werden, da der Saft sonst geliert= Johannisbeergelee. Das Abseihen erfolgt ganz konventionell: große Schüssel, Sieb, ggf. ein Passiertuch. Zur Konservierung kann danach noch einmal vor dem Umfüllen erhitzt werden.
Die schwarzen Johannisbeeren müssen mit Wasser verdünnt werden, da sie zu sehr eindicken, dafür kann dann aber ein wenig mehr Zucker zugegeben werden. Geschmacklich hat mich der schwarze Johannisbeersirup (ich trinke ihn nur stark verdünnt) umgehauen, den roten Saft finde ich für mich nicht ganz so lecker, was aber mehr daran liegt, dass ich rote Johannisbeeren nicht so gern mag.
Rhabarbersirup: 
Den Rhabarber wie die Johannisbeeren knapp unter 100°C zu Mus verarbeiten und durch ein Tuch/ Sieb abseihen. Ich habe das Tuch so fest ausgepresst, dass ich zum Schluß nach 1,8 kg Rhabarberstangen eine schneeballgroße Kugel als Rest (Trester) und ca. 2,5l Sirup (durch den Zucker) hatte.
Zur Konservierung gebe ich ein wenig Zitronensäure hinzu- als einziges, "böses E" meiner Meinung nach vertretbar (ca. 15- 20g/ l).
Smoothies/ Saft zum sofortigen Verzehr ohne Zuckerzugabe:
Einen halben bis einen Liter z.B. Apfelschorle (nach Geschmack) erhalte ich mit einem Apfel, den ich mit wenig Wasser sehr fein püriere (ohne Kerngehäuse, mit Schale). Bei einem reinen Smoothie entfällt die Wasserzugabe.

Gemüse: 

Hierbei ist ein wenig Fingerspitzengefühl gefragt. Was im Garten der Häcksler, das ist in der Küche der Thermomix- nur beim Thermomix kann ich die Häcksel- Dauer einstellen. 2,7 kg Weisskohl habe ich in mehreren Schritten (nicht mehr als 600- 700g/ Durchlauf) innerhalb von 27sek salattauglich klein gehackt: 600g einfüllen, für max. 4-5sek auf Stufe 4 klein hacken und immer reingucken, ob sich das Gemüse im Thermomix mit dreht! Dreht es sich nicht ist`s entweder zu viel oder es ist zu grob vorgeschnitten. Der Thermomix ist zwar ein ausgesprochen fortschrittliches Gerät, aber er ist kein Wunderwerk: Alles, was klein gehackt werden muss, sollte vorher in halb faustgroße Stücke geschnitten werden. Er ist das Hilfsmittel für die Kleinstarbeiten und dann bereitet er Freude. Ein Überfüllen führt zum Frust, weil die Zutaten von oben nicht nachrutschen und unten an den Messern entsteht Püree. Also Tomaten und Zwiebeln vorher vierteln, Kohl grob schneiden, Möhren in ca. 5cm lange Stücke schneiden etc. Rohkostsalate aus Möhren, Weiss- und Rotkohl etc. sind schnell und mit wenig Aufwand gemacht, frische Blatt- und Gemischtsalate sind durch den hohen Wasseranteil nur bedingt möglich, hier wird es schnell pampig und matschig. In Sachen Suppen ist der Thermomix ganz vorne mit dabei. Durch die Kochfunktion und die Möglichkeit alles von reinem Umrühren bis zum feinen pürieren zuzubereiten, lassen sich 1001 Möglichkeiten finden um jedem Geschmack gerecht zu werden.
Auch Reibeplätzchenteig ist innerhalb von wenigen Minuten fertig, während diese dann gebraten werden kann z.B. frisches Apfelmus zubereitet werden.

Hacken/ Mahlen/ Zerkleinern:

Der Thermomix soll Mehl mahlen können, da wir allerdings eine Mühle haben arbeite ich auch vorwiegend mit dieser, gerade bei größeren Mengen, und kann dementsprechend nicht darüber berichten. Ich verarbeite meine getrockneten Teekräuter mit dem Thermomix und bin absolut zufrieden. Erfahrungen habe ich bis jetzt mit Salbei, Herzgespann und Teefenchel. Ich nutze ein sehr feinmaschiges Metallsieb zum abseihen des Tees und der Thermomix ist in der Lage, die Kräuter fast schon zu pulverisieren. Daher bleibt ein kleiner Rest in der Tasse zurück, die Kräuter entfalten jedoch ihr volles Aroma.
Roh verarbeite ich Ingwerknollen in Bio- Qualität, die ich mit Schale in größeren Mengen klein hacke um sie danach einzufrieren. Ich drücke dazu den Gefriebeutel platt und kann die Ingwerplatte in gefrorenem Zustand brechen. Dann lässt sich der Ingwer portionsweise entnehmen. Bei Gemüse kann er so fein pürieren, dass ein anschließendes Passieren entfällt.

Dampfgaren: 

Ich dampfgare jetzt, es funktioniert wunderbar. Kartoffeln und Möhren sind seit dem Thermomix (und einem Pommesschneider) zu einer regelmäßigen, vegetarischen Mahlzeit geworden, ebenso Brokkoli. Hühnchenfleisch lässt sich z.B. auch einfach zubereiten und tatsächlich schmeckt es mir auch mit wenig Nachwürze sehr gut.

Eher exotisches:

Einer der Hauptgründe, die für den Thermomix sprechen, ist die einstellbare Temperatur über längere Zeiträume, sei es zur Saftherstellung, zum Eindicken oder zum Konzentrieren. Nachdem mich mehrere Leute gefragt haben, ob ich denn z.B. schon Eierlikör mit dem Thermomix gemacht hätte war ich neugierig. Und es ist soo einfach. Tomatenketchup ohne Zucker und Zusatzstoffe? Kein Problem mehr. Brotaufstriche funktionieren ebenfalls und es gibt eine Fülle von Rezepten.

Entnehmen der Zutaten/ Reinigung:

Das Entnehmen der Zutaten ist in den meisten Fällen einfach. Kniffeliger sind Brotaufstiche, kleine Mengen, die aus fester Masse bestehen und dickflüssige Teige. Ich habe mir noch einen Silikonspatel zugelegt, weil ich mit dem mitgelieferten Spatel nicht ganz so gut klarkomme und tatsächlich hatte meine Beraterin (die hat man einfach, wenn man einen Thermomix kauft) 2 sehr gute Tipps: Wenn etwas in den Messern hängt, einfach den Behälter umdrehen und an der Rückseite des Messers (schwarzer Pinöppel) mehrmals drehen. Und zur Reinigung des Mixtopfes mit einer Spülbürste entgegen der Schneidrichtung kreisförmig bürsten. Alles was zum Topf gehört darf in die Spülmaschine und bis jetzt kam auch alles blitzblank wieder raus.

Das Kochbuch und das Rezeptportal:

Das Thermomix- Basis Kochbuch erhält man bei Erwerb dazu. Ich habe bis jetzt nur wenig Gerichte danach gekocht, nutze aber den Basisteil recht häufig. Darin sind viele Grundrezepte und - einstellungen beschrieben, z.B. Sahne schlagen, Eiweiß steif schlagen, Dampfgaren mit Mengen- und Zeittabelle, Joghurtzubereitung, Grundteige etc. Das Rezeptportal nutze ich recht häufig, zumal dort auch Userbewertungen und hilfreiche Tipps enthalten sind.

Fazit: 

Ich nutze den Thermomix als Hilfsmittel, um der Flut an Zusatzstoffen zu entgehen und um eine effizientere Nutzung meiner Zeit zu erreichen. Ich nutze ihn weniger zur Vorbereitung von Kuchen o.ä., einfach weil ich selten backe (ein Mohnkuchen nach Rezept ist allerdings sehr lecker geworden). Ich bereite alle Brot- Pizza- und Nudelteige mit ihm vor, dampfgare seit dem recht viel und finde das kontrollierte erhitzen einfach fantastisch. Mit meinen Gartenprodukten hilft er mir den Selbstversorgergedanken weiter zu verfolgen, einfach weil eine schnelle Verwertung möglich geworden ist. Ich bereue die Anschaffung nicht und konnte auch vorher ohne ihn kochen. Durch die vielfältigen Möglichkeiten ersetzt er mir Geräte, die ich gerne gehabt hätte (Dampfgarer, Entsafter, Knetmaschine, Mixer- ich hatte tatsächlich keinen) und ich konnte Geräte ausmustern, die Platz weggenommen haben (Standmixer, Brotbackautomat). Ja, die Anschaffung ist recht teuer, aber er ist es meiner Meinung nach wert- gerade weil ich dadurch recht einfach auf so viele Zusatzstoffe verzichten kann.

Keine Kommentare:

Kommentar posten