Montag, 13. April 2020

Lebensraum für Eidechsen: Erweiterung mittels Sandarium

Mit kleineren Änderungen und einer natürlicheren Art zu gärtnern haben sich jetzt im dritten Jahr in Folge Mauereidechsen in meinem Garten etabliert. 

Mauereidechse an der Spitze der Totholzecke, im Hintergrund geschichtetes Pampasgras
Im folgenden möchte ich beschreiben, was es dazu braucht und wie man den Lebensraum erweitern und ausbauen kann. 

Mauereidechse am neu angelegten Sandarium

Die Grundbedingungen waren in meinem Garten sehr gut (wie sich jetzt heraus gestellt hat). Ich habe den Garten vor 8 Jahren meinen Eltern übernommen und arbeite darin nun komplett anders: natürlicher, ökologischer und in jedem Fall wilder. Und ich versuche an vielen Stellen ganzjährige Lebensräume für Insekten und Reptilien zu schaffen.

Pampasgras vor...
...und nach dem Schnitt


















Was war also vorhanden? 
Ein riesiges Pampasgras, mit welchem mich eine tiefe Hassliebe verbindet, eine "gepflegte" Kompostecke, viele Randbeete mit Bodendeckern und einem ausgesprochen gepflegtem Bewuchs mit diversen Ziersträuchern, eine Teichwanne mit einem Volumen von etwa 300l (die auch schon damals ein kleines, wundervolles Biotop abgab) und eine intensiv bemähte Wiesenfläche, die auch mindestens 1x/ Jahr vertikutiert wurde.

Was habe ich in den letzten Jahren verändert? 

Pampasgras:
Ich habe das ca. 35 Jahre alte Pampasgras zu Anfang noch 1x/ Jahr beschnitten und die Abfälle so gut es ging kompostiert. Damit habe ich vor 4 Jahren aufgehört. Ich schneide es nun nicht mehr in jedem Jahr herunter, sondern nur noch ein über das andere Jahr (es wird sonst einfach zu ausladend). Das Schnittgut entsorge ich nicht mehr über den Komposthaufen, sondern lege es um den Pampasstrauch herum. So entsteht eine recht große, sehr dick gemulchte Schicht, die durch das getrocknete, feste Gras weder schnell verrottet noch anfängt zu schimmeln. Die Schicht liegt verhältnismäßig locker auf dem Boden, da die Beschaffenheit des Pampasgrases eine viel stärkere ist, als z.B. Rasenschnitt oder Häckselgut.

Sogar ein Igel lebt im Gras- kurz wach geworden und kurz darauf im Dickicht verschwunden.
Die entstandene Fläche nimmt in etwa den späteren Durchmesser des Grases ein, wenn es im Sommer in die Höhe gewachsen ist und dann zur Seite abfällt- von daher wäre ein Bewuchs mit anderen Pflanzen nicht wirklich möglich.
Das abgestorbene Gras ist für Reptilien ein wichtiger Bestandteil des Lebensraumes und der Gärtner kann so das angenehme (pflegeleicht) mit dem nützlichen verbinden. Ausgehalten werden muss die Optik, die im Auge des Naturschützers wunderschön ist, jedoch aus gewohnter Gärtnersicht wild und chaotisch zu sein scheint. Desweiteren habe ich zwischen der Terrasse und dem Pampasgras noch einen recht trockenen Totholzhaufen aufgeschichtet, der ebenfalls im Sommer überwachsen wird und somit sehr geschützt steht.
Der Schnitt des Grases erfolgt alle 2 Jahre im März auf ca. 60-70cm Höhe. So bleibt der Kern des Grases bestehen und wird nie verändert. Bei jedem Naturgarten ist es wichtig, dass die Pflanzabfälle im Garten verbleiben- sei es durch Kompostierung oder (noch ökologischer) als Mulchflächen.

Kompost:
Die Kompostecke ist auf der einen Seite durch eine Hecke begrenzt und auf der anderen Seite durch einen so genannten Wall mit 4m Tiefe, der den Kleingärtner von der Außenwelt, in diesem Fall den dort lebenden Nachbarn und ihren Hausgärten, trennt. Dieser Wall ist bei mir derzeit nur noch locker bewachsen, da ich dort nach wie vor den mühsamen Kampf gegen die Ackerwinde betreibe (vgl. hierzu den Artikel "Kampf gegen die Ackerwinde ohne Gift").

Zwischen den Kompostkisten im Hintergrund der Anfang der Totholzecke um 2016
In der Ecke wächst eine wunderschöne, sehr hohe Heckenrose, die unter sich einen natürlichen Hohlraum gebildet hat. Dort habe ich eine recht große, eher feuchte und schattige Totholzecke geschaffen, die in jedem Jahr ein wenig höher und breiter wird, immer abhängig davon, wie viel nicht häckselbares Schnittgut anfällt.


Zierpflanzenbeete:
Diese habe ich massiv ausgedünnt und bestücke sie in jedem Jahr mit diversen 1-2 jährigen insektenfreundlichen Pflanzen, nützlichen Kräutern und Heilpflanzen (vgl. hierzu "Lebensräume im Kleingarten", im Artikel werden auch viele Pflanzen kurz vorgestellt). 2jährige, eher als invasiv beschriebene Wildblumen sortiere ich ggf. aus und pflanze sie in den mittleren Bereich meiner Wiese. So ist ein ca. 15-20qm großes Wildblumenbeet entstanden, auf dem neben der natürlichen Vegetation recht viel an Fingerhut, Verbenen, Nachtkerzen, ein paar Ringelblumen, ein zugewandertes Mutterkraut, Kamille und diverse andere Pflanzen zu finden sind.  



Hinzugepflanzt habe ich noch Alant, an Saatgut streue ich in jedem Jahr ein paar gemischte Blumensamen hinzu und die ein oder andere Sonnenblume findet dort ebenfalls einen Platz. Alle Zier- und Wilbeete werden von mir exzessiv gemulcht, alles Schnittgut wird soweit wie möglich gehäckselt und mit dem anfallenden Rasenschnitt auf den Beeten verteilt. In den schattigen Ecken haben sich ein paar Farne durchgesetzt, diese schneide ich gelegentlich hinunter, belasse aber auch hier sowohl das Schnittgut als auch die über den Winter abgestorbenen Blätter am Ort. So bilden sich höhere Aufschichtungen mit vielen kleinen Versteckmöglichkeiten.

Nachtkerzen im Wildblumenbeet
Desweiteren gibt es noch einen kleinen Streifen mit Bergminze und einen Teil Nutzgarten, der mit mehrjährigen Kräutern bepflanzt ist (Salbei, Liebstöckel, Ysop, Teefenchel, Schnittlauch, griech. Oregano). Alle Kräuter dürfen zur Blüte und meist auch zur Samenbildung kommen. Die Beete werden erst im Frühjahr gesäubert, um so allen Lebewesen noch ein größtmögliches Nahrungs- und Schutzangebot zu bieten. In den Zierbeeten gibt es in jedem Jahr kleinere und größere Veränderungen, wobei der Grundstock an ein und zweijährigen Pflanzen in der Anzahl variieren kann.

Blumenstreifen aus 2019, in diesem Jahr wieder Anbaufläche.

In einem Jahr hat es mehr Kamille, im anderen mehr Phacelia- Garten ist auch immer ein bisschen Veränderung. Auch in den Zierbeeten finden sich ein paar Beerensträucher, insbesondere schwarze Johannisbeeren.

Wiese: 
Da ich mich leider auch ein wenig an die Gepflogenheiten des Kleingartenvereines halten muss (und eben auch nie genug Mulchmasse haben kann) wird meine Wiese zum Teil auch regelmäßiger gemäht als es von vielen Natur- und Umweltschützern empfohlen wird. Einmal im ganz zeitigen Frühjahr nach den ersten schönen Tagen, dann erst wieder, wenn das Wiesenschaumkraut verblüht ist (in etwa Mitte Juni).

Das Wiesenschaumkraut dienst dem Aurorafalter als Nahrung und Eiablageort
Zwei kleinere Flächen, die nah an die Nachbarn herangehen, werden recht häufig gemäht während die Hauptwiese einmal im späten August eine dritte Mahd bekommt. Wenn zu viele Grassamen gebildet werden, ziehe ich gelegentlich noch einmal mit der Akkusense auf ca. 20-30 Höhe über die Wiese. Zwischen 2 Obstbäumen habe ich dann das oben bereits erwähnte Wildblumenbeet angelegt, dort wird nicht gemäht und nur sehr selten unerwünschtes Kraut enfernt (leider ein Paradies für den kriechenden Hahnenfuß).

Anbauflächen: 
Diese sind weitestgehend beibehalten worden, einzig 4 Hochbeete wurden angelegt. Jeweils zwischen 2 der Hochbeete existiert ein ca. 30-40cm breiter und 1m hoher Zwischenraum, den ich auch mit abgestorbenem Pflanzengut auffülle.

Der mittlere Zwischenraum ist jetzt mit Pflanzenabfällen aufgeschichtet worden
Auch hier wieder: Versteck und Unterschlupf für alles Kleingetier.

Mein Tümpel: 
Der ca. 300l Wasser fassende Tümpel ist weitestgehen unverändert und bot schon immer einen wundervollen Lebensraum für Molche und einen bis drei Frösche. Er wird 1x/ Jahr vom gröbsten Unrat befreit (Blätter), die Schlammschicht am Boden bleibt jedoch bestehen.

Frosch am Tümpel, rechts Pampasgras, dahinter die Terrasse
Der Tümpel ist noch nie gekippt, er ist nicht bepflanzt, bildet aber in jedem Jahr eine dichte Schicht Wasserlinsen. Der Tümpel grenzt unmittelbar an das Pampasgras.

Nun aber zurück zu den Eidechsen: 
Diese sind meinen Beobachtungen nach erst seit etwa 3 Jahren ein wenig seßhafter geworden. Die meisten Mauereidechsen sind recht standorttreu mit Revieren zwischen 15-50qm, manche finden jedoch kein eigenes Revier, daher kann die Population je nach Lebensraum höher ausfallen.
Als Hauptursache für die Verbesserung des Reviers nehme ich an, dass tatsächlich die Veränderung am Pampasgras der Grund dafür ist. In den letzten beiden Jahren konnte ich auch im April für ein paar Wochen eine Ringelnatter im Gras und im Tümpel beobachten (siehe auch hier: "Ringelnatter im Kleingarten" und "Ringelnatter erwischt Molch"), somit scheinen die Reptilien in meinem Garten zuzunehmen.


In diesen Tagen konnte ich zudem an mehreren aufeinander folgenden Tagen mehrmals täglich die Mauereidechsen bei ihren Streifzügen beobachten. Der richtige Zeitpunkt, um den Lebensraum ein wenig auszubauen. Ich möchte schon seit ein paar Jahren ein Sandarium haben, quasi eine Art Sandbeet, welches Reptilien eine Möglichkeit anbietet, ihre Eier abzulegen und sie dort von der Sonne ausbrüten zu lassen.


Kurz sonnen und dann sofort weiter...
Da ich mir jedoch sehr unsicher war, wo genau der ideale Standort dafür ist, habe ich es immer wieder vor mir her geschoben. Durch die Wanderungen der Echsen ergab sich dann aber auch der Standort: In einer Ecke meiner recht großen Terrasse. Mit einem Randbau und einem schwarzen, wasserdurchlässigem Unkrauflies habe ich eine Fläche von ca. 1,5- 2qm abgeteilt, mit Steinen umrandet und mit Sand befüllt. In einer Ecke habe ich kleinere Kiesel- und Schottersteine eingefüllt und das Ganze dann noch mit ein paar Tothölzern bestückt.


Die Ecke selbst ist zur Hälfte vollsonnig und zur Hälfte teils im Schatten (durch die Steine). Sie bietet Kletter- und Versteckmöglichkeiten, heizt sich im Sommer gut auf und wird in der Prognose nicht stark mit Herbstlaub verunreinigt. Das Sandarium grenzt unmittelbar an das Pampasgras bzw. an die Mulchdecke und an eines der eher wilden Beete (Walderbeeren bieten hier Schutz). Gleich am nächsten Tag wurde das Sandbeet auch mehrfach beklettert und augenscheinlich "angenommen". Zwei Männchen haben sich auch bereits den ersten Kampf geliefert- es ist halt Paarungszeit. Ich bin gespannt, wie es sich entwickelt und sollten die Eidechsen darin nicht brüten, so bleibt eine gute Fläche für Sandbienen, die in meinen Augen auch meine Terrasse deutlich aufwertet.

2 Echsen, eine ganz links, eine rechts
Fazit: Auch ein kleiner Garten ist ein komplexes Ökosystem, bei dem viele Bausteine ineinandergreifen. Insekten sind Nahrung für Vögel, Igel, Reptilien und wieder für andere Insekten, Eidechsen und Molche dienen auch anderen Tieren sowie auch Schlangen als Nahrung und doch ist jedes von diesen Lebewesen schützenswert... es ist ein Kreislauf, bei dem manchmal Kleinigkeiten über Erfolg und Mißerfolg entscheiden und der von einem selbst viel Geduld fordert. Die Bilder, die man dann jedoch unmittelbar in seinem eigenen Lebensraum bekommt sind unbezahlbar und bestärken mich in jedem Jahr aufs Neue langsam und mit Bedacht daran weiter zu arbeiten.











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