Sonntag, 26. Juli 2020

Lebensräume im Garten oder wie baut man eine Reptilienburg?

Etwas gutes muss so eine Pandemie doch mit sich bringen, oder? In meinem Fall mehr Zeit für meinen Garten und der Grundüberlegung, was man denn so mit seinem Sommerurlaub anfangen kann. 


Die fertige Reptilienburg. Ein langer Weg...

Nachdem ich definitiv feststellen konnte, dass sich die Ringelnattern und die Mauereidechsen mittlerweile angesiedelt haben und in meinem Garten auch eine Möglichkeit zum überwintern finden konnten (siehe dazu auch hier: Ringelnattern im Kleingarten), war es an der Zeit, diesen Lebensraum auszubauen. Es folgte eine Menge an Internetrecherche, viele Gedanken wurden gefasst, überprüft und verworfen und im späten Frühjahr manifestierte sich der Plan: Eine Reptilienburg muss her. Diese bietet einen ganzjährigen Lebensraum für Schlangen, Eidechsen, Kröten und alles, was sich zum überwintern gerne in untere Gemächer verzieht. Auch wenn es sich bei den beschriebenen Arten um Freßfeinde handelt, so sind sie doch in der Lage, als gemeinschaftliche "Kommune auf Zeit" zusammen zu kommen, da sie über den Winter keine Nahrung aufnehmen. Daher könnten theoretisch alle einheimischen Reptilienarten in so einem Habitat überwintern.

Die ersten Spatenstiche


Ich werde in diesem Artikel chronologisch über den Plan, die Ideen, die Hürden und den Bau einer solchen Reptilienburg berichten und würde mich wahnsinnig darüber freuen, wenn er bei Gefallen gerne kommentiert, verlinkt und verbreitet wird, einfach, weil so mit einfachen Mitteln und einer ganzen Menge an Muskelschmalz ein wundervoller Lebensraum geschaffen werden kann, der den eigenen Garten aufwertet und der eigentlich in keinem Naturgarten fehlen sollte. 

Der Plan: 

Zuerst kam mein Sandarium, wie oben erwähnt hatten sich die Schlangen und die Eidechsen bereits angesiedelt und ich konnte in diesem Frühjahr mehrere Exemplare nach ihrer Winterruhe im Umfeld meiner Terrasse antreffen (Hier der Link zum Bau eines Sandariums).

Wichtig: Ein sonniger Standort
Einge Bildersuchen, Blogbesuche und Gartensichtungen später war mir dann klar, dass ich eine schicke Reptilienburg bauen wollte. Die Ausmaße einer solchen Burg schreckten mich allerdings immer noch ein wenig ab, stand doch überall geschrieben, dass sie mindestens 1.50x1.50m und 40-60cm tief sein sollte, je nach Wasserablauf sogar bis zu einem Meter tief. Aber was tut man nicht alles...

Der erste Aushub
Die Tiefe benötigen die Reptilien, um sich geschützt in die Winterruhe begeben zu können, ohne zu erfrieren oder zu ertrinken. Daher macht es tatsächlich Sinn, das Loch so tief wie möglich auszuheben, eine ca. 10-20 cm tiefe Drainageschicht aus kleinen Steinen, Schotter, zerschlagenen, alten Tongefäßen und kleinerem Schuttabfällen zu legen und dann erst den lockeren, aber dennoch stabilen Aufbau aus größeren Steinen vorzunehmen.

Zum Nachbarn hin 1.50m Platz
Es sollten viele Lücken und Hohlräume entstehen, damit die unterschiedlichen Lebewesen auch in höherer Anzahl einen Platz finden können.

Ideen: 

Es gab im Netz wenige Reptilienburgen, die mich optisch überzeugt haben. Den Eidechsen mag das Aussehen egal sein, aber in meinem Garten wollte ich nicht einfach nur einen zusammengewürfelten Steinhaufen haben. Ich möchte keinesfalls die anderen Burgen abwerten, in jeder steckt mit Sicherheit viel Liebe und das primäre Ziel, damit Lebensraum zu schaffen, wo vorher keiner war- aber ernsthaft, googelt mal nach Bildern, ich musste ein paar Mal laut auflachen, einfach, weil so ein fotografierter Steinhaufen ohne nennenswerte Erklärung nichts anderes ist als eben ein Haufen Steine. Ein paar hübsche Burgen waren aber auch in jedem Fall mit dabei!!!

Ein Findling mit tollen Löchern.
Somit verfestigte sich der Gedanke, dass ich im sichtbaren Bereich der Burg in jedem Fall schicke Bruchsteine als Abschluss haben wollte. Eine weitere Frage, die sich stellte, war die nach einem Platz für den nicht unerheblichen Aushub an Erde, der bei der Errichtung des "Kellergewölbes" entsteht. Da ich den perfekten Platz in meinem Garten zu dem Zeitpunkt schon gefunden hatte, kam ich zu dem Schluss, dass mit dem Aushub die Landschaft rechts und links der Burg gestaltet werden kann, das sorgt dann auch gleichzeitig für eine gelungene Abwechslung auf dem ansonsten recht ebenen Terrain. Fehlten nur noch die Steine...

Ausrichtung: 

Eine Reptilienburg sollte möglichst sehr sonnig und nach Süden ausgerichtet gebaut werden. Ich habe eine Stelle gewählt, an der nur ein Baum in der Mittagszeit für ca. 1 Stunde Schatten wirft. Nach hinten hin besteht Schutz durch die Hecke zum Nachbarn (immergrün, daher auch im Winter entsprechend Schutz) und nach Westen und Osten ist der Aushub aufgeschichtet.

Materialbeschaffung: 

Für eine Reptilienburg benötigt man in erster Linie Steine. Und davon eine ganze Menge. Man benötigt kleine Steine, große Steine, mittlere Steine, alte Steine, Schottersteine, Steinplatten und vielleicht noch Kieselsteine, Findlinge oder vergleichbares. Kaputte Tongefäße gehen auch, ebenso unbelasteter Bauschutt. Sand ist auch nicht schlecht, wird aber eher für einen Nebenschauplatz benötigt (Erklärung folgt weiter unten im Text). Eine gute Schaufel, eventuell eine Grabegabel und eine Schubkarre sind ebenfalls nötig. Und Handschuhe! In jedem Fall Handschuhe.

Rechts ein paar Findlinge, ansonsten Füllmaterial.

Woher jetzt aber die Steine nehmen? Der aufmerksame Leser dieses Blogs hat bereits mitbekommen, dass ausgerechnet meine Kleingartenparzelle in einer der äußersten Ecken gelegen und daher kaum mit dem Auto zu erreichen ist. Jede Lieferung muss noch ca. 30m zu Fuß in den Garten geschleppt werden und zuvor muss noch ein Schlüssel für die Zufahrt organisiert werden.

Noch 2 Findlinge.
Aber Ok, der Steinbruchmann meines Vertrauens wäre meine letzte Option gewesen und ich hätte dort 2 Kubikmeter Bruchstein geordert- aber manchmal kommt es (glücklicherweise) anders, als man denkt.

Mauersteine...
Ich habe einen umfangreichen Aushang an die Suche-Biete-Tauschwand der Kleingartenanlage gehängt und alles aufgelistet, was ich suchte. Ich bekam eine halbe Schubkarre mit alten Steinen. Immerhin ein Anfang, aber für eine Anlage mit 88 Gärten doch irgendwie frustrierend.

Trockenmauersteine...
Mein nächster Nachbar hingegen hatte schon seit geraumer Zeit seinen Garten komplett umgestaltet und Unmengen an Steinen in einer Ecke seines Gartens gelagert. Meine Frage konnte ich bei ihm dann gar nicht zu Ende stellen, er antwortete mittendrin nur "Die kannst Du alle haben!". Ich habe mich mega gefreut und mir fielen wahrlich einige Steine vom Herzen. Da war alles bei- und noch ein bisschen mehr, wofür ich auch schon die nächsten Baustellen geplant habe.

Kantsteine...
Es macht Sinn, sich im Vorfeld bei Freunden, Familie und in einschlägigen Kleinanzeigenforen umzuhören. Die Menge an Steinen, die man braucht, ist nicht zu unterschätzen, aber gleichzeitig gibt es auch viele, die öfter mal was loswerden wollen.
Klassische Bruchsteine und Waschbeton.

Logistische Hürden und Stolpersteine: 

Die Steine mussten zunächst im Garten zwischengelagert werden, dabei wurde dann auch der Platz enger. Ich habe über ein paar Tage verteilt immer wieder ein paar Schubkarren in meinen Garten geschleppt, hey, Frauenpower, Yeah... und Muskelkater... und Rückenschmerzen... aber auch eine gehörige Portion Ehrgeiz, möglichst viel allein zu bewältigen.

Auf einem Foto wirkt es irgendwie kleiner...
Einzig für einen echt schweren Findling und für die langen Kantensteine halfen mir mein Mann und ein Freund. Auch die letzten 40cm Aushub nahm mir mein Mann ab, was mir half, meinen Zeitplan "Ende Juli" einzuhalten.

Die Tiefe beträgt ca. 90cm
Es macht Sinn, die Steine nahe dem Loch und einigermaßen sortiert zu lagern, ohne sich dabei Schubkarrenwege zu versperren. Optisch hässliches und gebrochenes Material so nah wie möglich, dieses wird als erstes ins Loch gegeben.
Breite und Länge je ca. 1.50m
Das Loch sollte grob abgesteckt werden, dazu habe ich die Grasnarbe von außen nach innen abgetragen und erstmal an drei Seiten einen kleinen Aufbau damit gesetzt. Die ersten 2 Spatenstich tief waren auch kein Problem- dann kamen Steine, Lehm und Trockenheit.

Hier nochmal die Gesamtansicht nach Aushub.
Ich empfehle jedem an so einer Stelle auf Regen zu warten. Sobald sich die Lehmschicht voll mit Wasser gezogen hat, kommt man wieder tiefer. Steine sind immer blöd, dabei hilft dann bisweilen die Grabegabel. Wenn man nicht gerade im Gebirge oder auf einem Gletscher wohnt, dann sollte ab der dritten Spatentiefe fast nur noch Lehm kommen, anstrengend, aber machbar. Spannend war für mich die Bodenstruktur, je tiefer, je heller. Logisch, aber es mal so zu sehen fand ich doch beeindruckend.
Beim befüllen unbedingt einen lockeren Schichtaufbau wählen, so dass sich genügend Hohlräume bilden.

Ich habe mehrere Tipps gelesen, in denen Unkrautfolie als Rieselschutz und/oder "Bedachung" verwendet wurde. Ich habe bewußt darauf verzichtet, ebenso auf ursprünglich geplante Röhren, da diese aus Kunststoff waren (mal schauen, ob ich daraus etwas anderes baue). Unkrautfolie, sofern nicht komplett verbuddelt, dient Mäusen als Nistmaterial und wird über einen längeren Zeitraum somit zerstört. Ich habe versucht, beim Bau darauf zu achten, dass möglichst wenig Erde in die Burg geschwemmt werden kann. Und wenn doch, so wird es so wenig sein, dass es der Sache als solches nicht schadet.

Der Aufbau: 

Meine Reptilienburg ist ca. 90cm tief. Es folgen 10-20cm Drainage, da das Wasser schlecht abfließt. Dann habe ich mit Steinen einen Aufbau bis zur Rasenkante vorgenommen. Dabei habe ich darauf geachtet, dass immer wieder "Dächer" gebildet wurden, damit in den unteren Etagen viele trockene Stellen entstehen. Da ich (Dank an den Buchsbaumzünsler) noch ein paar alte Wurzeln mit versenken wollte (Totholz ist ja immer gut in der Nähe von Reptilien), habe ich einen Hohlraum größer gebaut und nachdem die Stabilität gewährleistet war, das Holz hinzugefügt. Wenn das Holz tragend wäre, so kann es natürlich im Laufe der Jahre passieren, dass durch eine natürliche Verrottung die ganze Burg leicht nachgibt.

Die Drainage.
Von hinten habe ich dann den Aufbau mit Bruchsteinen fortgeführt, von vorne mit natürlich wirkendem Mauerbruchstein für Trockenmauern. Die Burg selbst hat in etwa eine Höhe von ca. 40/50cm, sie darf grundsätzlich aber auch bis zu einem Meter in die Höhe ragen. Meine Echsen wissen das aber nicht, und ich werde es ihnen auch nicht verraten.

Die erste Füllebene
Nach rechts und links befindet sich wallartig der Aushub. Hier habe ich auf die linke Seite noch auf den letzten Termin eine Bienenweide ausgesät. Im Hintergrund ist ein Gras gepflanzt und ich hoffe, dass mein echtes Johanniskraut angehen wird. Ich hoffe, dass der Boden für heimische Wildkräuter geeignet ist, diese sollen dort auf jeden Fall später wachsen.

Hier kann man den Schichtaufbau und die "Bedachung" gut erkennen.
Auf der rechten Seite habe ich auf dem entstandenen Hügel noch einmal ein Loch mit etwa 60cm im Durchmesser bis zum Boden hin ausgehoben. Den Lehm habe ich mit Spielsand gemischt und wieder aufgefüllt, so ergibt sich ein potentieller Eiablageplatz für Nachwuchs.

Ab jetzt erfolgt die optische Aufwertung, vorne noch ohne Sandfüllung.
Dicke Totholzäste werde ich bei Verfügbarkeit immer wieder hinzufügen, die ersten drei haben bereits einen schönen Platz gefunden.
Insgesamt ist die Anlage jetzt 6.50m x 1.60m groß geworden.

Detailansicht Sand, ca.3cm reiner Sand, danach mit Lehm gemischt.

Das wichtigste zu Bepflanzungen und Schutzmaßnahmen: 

Die Burg sollte von den Reptilien einigermaßen geschützt erreicht werden können. Pfade oder schmale Wege sind kein Problem, aber mitten auf einem englischen Rasen wird sich kaum eine Echse oder Schlange einfinden- zu groß sind die Gefahrenquellen, wie z.B. durch Katzen und Greifvögel. Die Zugänge sollten so klein sein, dass sich Katzen keinen Zutritt verschaffen können, auch der Platz für die Eiablage sollte katzensicher sein (Stichwort Katzenklo), hier helfen schon ein paar Rosenäste oder vergleichbares, die locker darauf vertreilt werden. Ich habe diese Fläche noch frei, weil ich den Sand auf dem Hügel habe- ich schätze, dass eine Katze ihr geschäftliches nicht auf dem Präsentierteller verrichten mag. Ab spätestens Frühjahr werde ich schützen, da ich bereits die ersten Igelspuren im Sand entdecken konnte- und bevor dass die sich an den Eiern bedienen, sollen sie lieber einen anderen Weg nehmen.

Totholz ragt ca. 1m in die Höhe.
Die Sandecke sollte nur lose zuwachsen, hier macht ein wenig Unkraut zupfen hin und wieder Sinn (nicht von Mai- September!), alles andere darf einen ebenfalls kontrollierten und etwas dichteren Bewuchs haben. Am besten eignen sich heimische Pflanzen, Heilkräuter, mediterrane Gewürze etc., am Besten trockenheitsresistent. Auch Heidepflanzen sind gut geeignet. Im Hintergrund lasse ich Gräser anwachsen, das vertrocknete Gras sollte nicht entfernt werden (vgl. dazu oben angefügte Links zu Sandarium und Ringelnattern). Je insektenfreundlicher, je besser- nicht nur gegen den Schwund ebendieser, sondern natürlich auch als Futterquelle für die Eidechsen.

Das Gelände ist leicht abschüssig. Vorne links die Wildblumenecke.

Die potentiellen Bewohner: 

Die Tiere können auf sich warten lassen- hier ist Geduld gefragt. Was aber sofort auffällt: Der Igel ist bereits über die Burg geklettert, die ersten Vögel haben ein Sandbad genossen (leider ohne Foto) und es waren mehrere Insekten zu beobachten, die hektisch suchend auf den Brachflächen unterwegs waren. Schmetterlinge versammeln sich auf dem Lehm, um Mineralien aufzunehmen und das Totholz ist bereits ein fester Landeplatz für Rotkehlchen und Co.

Im Vordergrund dicke Findlinge.
Neue Plätze werden auch von anderen Tieren gerne sofort angenommen, gerade Flächen, die es in halb urbanen Gegenden kaum mehr gibt. Wenn sich allerdings nach mehreren Jahren noch keine Sichtungen ergeben haben, dann können es auch Kleinigkeiten sein, die nochmal abgewandelt werden müssen.
Ich habe hier bewußt auf Fotos von Echsen und Schlangen verzichtet, die meisten Sichtungen habe ich bereits in vorangegangenen Artikeln dokumentiert. Ich hoffe, dass die Burg bereits in diesem Jahr noch angenommen und besiedelt wird, allerdings kann es durchaus noch bis zum nächsten Sommer dauern. Und dann werden auch Fotos gemacht- drück mir die Daumen, dass ein reges Treiben herrschen wird.

Der Sandplatz
Ich hoffe, ich konnte Dir die ein oder andere Anregung geben und vielleicht hast Du ja die Möglichkeit, eventuell auch mit Freunden oder in Deinem Verein, ein eigenes Biotop zu schaffen. Viel Spaß und Erfog dabei! 

Hier noch ein paar Impressionen aus der Bauphase:


Hier die Rückansicht mit der ersten Reihe Bruchsteinen.
So gut wie fertig.
Totholz mit einer gewissen Stabilität.
Links das erste gepflanzte Gras.
Steine schleppen mag ich jetzt erstmal nicht mehr so...


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